Kulturpreis 2006

Nicht auf der Bühne, nicht im Festsaal, sondern im historischen Burgdorfer Schwimmbad wollte sich die Theatergruppe Burgdorf den von der Burgergemeinde gestifteten Kulturpreis 2006 überreichen lassen. Allen Beteiligten schenkten sie damit einen Bürgertreff der besonderen Sorte. 
Auch wenn Zeit und Ort eher ungewöhnlich für eine Preisübergabe erschienen, Burgdorfs Bürgerinnen und Bürger kamen am Freitagabend um 21 Uhr in hellen Scharen. Und sie wurden im Schwimmbad mit Blick auf Burg, auf erleuchtete Japan-Lampions auf der Wasserfläche und einen anfänglich golden verfärbten Sonnenuntergang mit einer einzigartigen Atmosphäre belohnt. Der diesjährige Preisträger, die Theatergruppe (TG) Burgdorf, habe sich «hartnäckig» diesen Ort zur Übergabe der Auszeichnung ausgesucht, meinte Burgerratspräsident Jörg von Ballmoos zur Eröffnung der Veranstaltung. Ihm wäre dafür eigentlich der Kirchbühlsaal würdiger erschienen, erklärte er heiter inmitten der Badilandschaft.
Der Burgdorfer Kulturpreis war vor zwei Jahren ins Leben gerufen und erstmalig an «Stadtgoldschmied» Kurt Neukomm übergeben worden. Die Kulturkommission der Burgergemeinde, die diese Ehrung mit einem jeweiligen Preisgeld von 15 000 respektive 20 000 Franken alle zwei Jahre vorsieht, habe sich diesmal nun für die vor 20 Jahren gegründete Theatergruppe Burgdorf entschieden. Die rund 60 Gruppenmitglieder widmeten sich ihrer Liebhaberei mit deutlichem Engagement und trügen zur Bereicherung des Burgdorfer Kulturlebens bei. Der Burgerratspräsident übergab die Ehrung an Gründungsmitglied Maja Weber und Beatrice Zbinden als jetzt federführende Präsidentin der TG Burgdorf. Stellvertretend für alle Mitglieder dankte sie herzlich für die wertvolle Anerkennung:
«Der Preis freut uns irrsinnig.»


Anspruchsvolle Stücke

Hans Baumann, ausgewiesener Kenner des Kulturlebens in der Emme-Stadt, hielt die Laudatio. Er erinnerte an die lange Tradition, die das Laien-Bühnenspiel hier besitze. Er erwähnte den Kreis um Theaterförderer Franz Della Casa und Aufführungen der «Bertholdia». Im März 1985 sei noch vor der eigentlichen TG-Vereinsgründung die erste von bisher insgesamt 19 Produktionen im Casino-Theater über die Bühne gegangen. «Es hat sich immer um anspruchsvolle Stücke gehandelt», betonte Baumann, der insbesondere deren vielfältige Thematik hervorhob. «Ihre Widerhaken haben das Publikum immer wieder zu einer vertieften Auseinandersetzung herausgefordert.» Seit der Gründung des Vereins betreuten vier Regisseure die Aufführungen. Hervorzuheben sind Rudolf Bobber, der die TGB aus der Taufe hob und achtmal Regie führte sowie Reto Lang, der seit 1997 bis heute die Verantwortung trägt. Für die 60 Mitspielenden sei die Gruppe nicht nur Theaterschule, sondern wegen ihres grossen Altersspektrums zugleich auch eine Form von Lebensschule. Treu verbunden über bereits zwei Jahrzehnte sei ihr Bühnenbildner Heinz Egger, der mit seinen Gestaltungen «das Gesicht der Gruppe» wesentlich geprägt habe. Das Publikum habe die professionelle und engagierte Leistung der Liebhaber-Bühnentruppe zumeist mit viel Begeisterung begleitet.


Wirklich wandelbar

Dass sie das Freibad zu ihrer Bühne machte, zeigt, wie unkonventionell und wandelbar sich diese Gruppe gibt. Ihre anschliessend vorgestellte Szenencollage aus früheren Theateraufführungen kam auch sprachlich mit Leichtigkeit daher. Alle 13 Mitwirkenden hatten sich in weisse Anzüge gehüllt, wie man sie aus der TV-Krimi-Spurensuche kennt. Im Licht des Verfolger-Scheinwerfers erhielt der Auftritt, der auch einzelne Sprünge ins Wasser einschloss, einen Hauch von Absurdität. Die Zuschauer, darunter auch Stapi Franz Haldimann, genossen den vergnüglichen Freiluft-Abend, der sich bei Häppchen und Tranksame fortsetzte.(Berner Rundschau, 21.8.06, Gundi Klemm)

Weitere Pressestimmen zur Preisverleihung:
Berner Zeitung
Aemme Zytig
Berner Rundschau