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Alle Hoffnungen ruhen auf ihr: Auf Aurélie, der etwas abgetakelten alten Frau, die unter Plüsch und Kitsch ein goldenes Herz für die Armen hat, für Lumpensammler und Bettler, für Blumenmädchen und Kloakenreiniger – und die von ihnen respektvoll die «Irre von Chaillot» genannt wird. Sie ist natürlich mitnichten «irr», ganz im Gegenteil: Sie ist klug, raffiniert. Und gewitzt dazu.

Was läuft denn da in Paris genau? Der junge Pierre berichtet Aurélie von einem mysteriösen Vorhaben, in das er hingezogen worden ist: Eine skrupellose Bande von zwielichtigen Wirtschaftsgangstern hat eine Aktiengesellschaft gegründet. Die Gangster sind von der fixen Idee besessen, dass unter den Mauern von Paris Ölquellen fliessen! Die wollen sie ausbeuten. Um so den ganz grossen Reibach zu machen – allenfalls soll dazu Paris in die Luft gesprengt werden!

Aurélie ist die einzige, die sich mit ihrem Gefolge gegen die Gesetze des Profits und der Gier ernsthaft wehrt. Den wahnwitzigen Plan vereiteln und die Gauner  bestrafen, das ist ihr Ziel.

Doch halt: Niemand darf ohne Urteil bestraft werden, so der Einwand von Josephine. Darum wird halt in Abwesenheit der Beschuldigten ein Prozess durchgeführt:…

Giraudoux versteht das Stück als Anklage gegen eine Gesellschaft, die von Gewinnmaximierung, Rücksichtslosigkeit und Eigennutz geprägt ist.

Der Autor

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Jean Giraudoux

Jean Giraudoux (1882 bis 1944), der französische Erzähler, Dramatiker und Diplomat, hat vor allem das Theater der Zwischenkriegszeit geprägt. An antiken Mythen, biblischen Themen und Legenden-Stoffen zeigt er ewige Wahrheiten auf, stellt Parallelen zur Gegenwart her.

Seine Texte sind von geistreichem Witz geprägt, von Poesie und Leichtigkeit.

Während den Romanen der Erfolg eher versagt bleibt, feiert er mit den Bühnenstücken grosse Triumphe. («Amphitryon», «Elektra», «Der Trojanische Krieg findet nicht statt» – und eben: «Die Irre von Chaillot»).

Nach dem Besuch der «École Normale Supérieure», die er als Jahrgangsbester abschliesst, studiert er ein Semester an der Uni München, arbeitet dort auch kurz als Hauslehrer und wirkt 1907/08 als Französischlektor an der Harvard University, USA. Er betreut die Literaturseiten des Pariser «Le Matin», tritt in den diplomatischen Dienst – und wirkt in der Folge als Diplomat und Literat gleichzeitig.

Zu Beginn des Krieges wird er «Commisssaire générale à l'nformation», eine Art Informationsminister, flüchtet vor den Nazis mit der Regierung nach Bordeaux, kehrt 1942 allerdings nach Paris zurück. Zunehmend verliert er seine ursprüngliche Begeisterung für die deutsche Literatur. Und den Optimismus, dass die beiden Kulturen sich begegnen könnten.

Ob er in der Résistance aktiv gegen die Nazis gekämpft hat, ist umstritten. Jedenfalls tauchen kurz nach seinem überraschend frühen Tod Gerüchte auf, er sei von der Gestapo vergiftet worden.


Die Burgdorfer Inszenierung – Die Ideen des Regisseurs

Stefan Meier: «Wir inszenieren das Stück als Märchen, als Traum, als Rausch. Es spielt im Heute und im Gestern, wir bilden keine genaue Epoche ab – und auch keinen geografisch definierten Ort. Die Machenschaften der Gauner sind derart universell, «global», dass wir die Schandtaten nicht einfach an den Anfang des 20. Jahrhunderts und nach Paris «verbannen» wollen. Sie geschehen immer wieder, heute, morgen, hier, überall. Das wollen wir zeigen – und so nähern uns wieder dem absurden Theater, mit dem die TGB vor Jahren startete.»

Produktion            Theatergruppe Burgdorf           
RegieStefan Meier
Regieassistenz  Therese Sauser
BühnenbildHeinz Egger/Sabine Käch
KostümeChristina Wenger
LichtPhilipp Wyss

Personen und Darstellende

PräsidentRené Scherer
BaronRuedi Schütz
KellnerBruno Böhlen
LumpensammlerKuno Jaeggi
IrmaSelina Burri
MaklerSimon Lüdi
Rentner / ConstanzeUrsina Stoll
ProspektorChristoph Münger      
Aurélie, die IrreMarie-Louise van Laer
JadinThomas Grimm
Retter / Kloakenreiniger  Hansruedi Kummer
PierreChristoph Gosteli
PolizistHansjürg Brodbeck
GabrielleLise Steiner
JoséphineBettina Zürcher
SängerinStefanie Kämpfer
BlumenmädchenKatja Born
Die StummeGiuseppina Burgunder

Szenenbilder aus den Aufführungen, Bilder Werner Eichenberger.

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